|
Als Vertreter des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) weilte Heinz Werner jüngst in den USA, um am großen Kongress des US-amerikanischen Verbandes teilzunehmen. Er übermittelte dem BFV-Webteam folgenden Bericht:
Beeindruckender Trainer-Kongress in den USA!
 |
|
Portal des Ericsson-Stadions in Charlotte |
Das 57. Fußball-Trainertreffen der NSCAA (National Soccer Coaches Association of America – Nationaler Fußballtrainer-Verband von Amerika) vom 14. bis 18. Januar 2004 in Charlotte (Bundesstaat North Carolina) hatte im Vergleich mit europäischen Verhältnissen ein geradezu gigantisches Ausmaß: 6.000 Übungsleiter, Lehrer und Trainer trafen sich in einem riesigen Kongress-Center zur jährlich stattfindenden Weiterbildung. Aus allen Teilen des Landes reisten wissenshungrige Betreuer an, um an dem umfangreichen Fortbildungsprogramm für Anfänger, Schullehrer und Fortgeschrittene teilnehmen zu können.
Charlotte ist eine annähernd 600.000 Einwohner zählende Stadt mit historischer Vergangenheit und modernem Charme. Die Wurzeln kann man bis zum englischen Königshaus zurückverfolgen. Der Name stammt von der Königin Charlotte, der Gemahlin von Englands König Georg III. Charlottetown, wie es früher hieß, war der Ort, an dem am 20. Mai1775 die älteste Unabhängigkeitserklärung der Nation unterzeichnet wurde
Heute ist Charlotte ein führendes nationales Finanzzentrum und ist in diesem Bereich auf Platz zwei (!) in den USA aufgestiegen. Darüber hinaus ist Charlotte ein bedeutendes Textilzentrum, in dessen unmittelbarer Umgebung 15% aller Textilarbeiter des Landes leben. Die Stadt ist ein optimaler Industriestandort, denn achtzehn der landesweit neunzehn führenden Märkte liegen im Umkreis von nur ca. 1.000 km um das Gebiet von Charlotte.
Auch als Sportstadt nimmt sie einen bedeutenden Platz ein. Der Lowe´s Motor Speedway, eine der weltbesten Autorennbahnen, wurde hier bereits 1960 gebaut und zählt mit 200.000 Tribünenplätzen zu den schönsten Rennstrecken der Welt. Aber auch Eishockey und Football haben ihren besonderen Stellenwert. Die Black Panthers Caroline sind bis ins Endspiel vorgedrungen und haben berechtigte Chancen, Champion zu werden. Das heimische Eriksson-Stadion fasst 80.000 Zuschauer
Der Nationale Fußballtrainer-Verband von Amerika wurde 1941 gegründet und hat derzeit 17.000 Mitglieder. Jährlich wird ein neuer Präsident gewählt, der diese große Weiterbildungsveranstaltung auch lenkt und leitet. Die Ziele des Verbandes sind ähnlich den unsrigen. Man will den Fußballsport in allen Bereichen entwickeln und verbessern, die Jugendlichen vorbildliches soziales Verhalten lehren und den Trainern einen hohen internationalen Wissensstand in Praxis und Theorie vermitteln.
Die Durchführungsvoraussetzungen im Convention (Kongress) Center waren dafür prächtig geeignet und geradezu ideal. Unglaublich, welche Fülle von Raummöglichkeiten zur Verfügung standen, um 6.000 Trainern die vielfältigsten Fortbildungsangebote in Theorie und Praxis von morgens bis abends anzubieten. Die Praxisdemonstrationen wurden in drei großen Hallen simultan mit gut geschulten Sportgruppen verschiedener Altersklassen bei bester Akustik und hervorragenden Sichtverhältnissen von allen Tribünenplätzen durchgeführt. Auffällig das vorbildliche Auftreten und Verhalten sowie der große Einsatzwille der Teilnehmer in allen Demogruppen. Neben der hohen Disziplin und großen Ordnung beeindruckten weiterhin die große Belastungsbereitschaft der Fußballspieler (selbst für zwei unmittelbar nacheinander durchgeführte Trainingseinheiten!) sowie die hohe Handlunggeschwindigkeit und die gesunde Härteverträglichkeit jedes einzelnen Sportlers.
Hervorragende Trainer aus dem In- und Ausland zeigten aktuelle taktische und technische Übungseinheiten, die das derzeitige Spektrum der Ausbildungsarbeit in allen Jugendaltersklassen kennzeichneten. Neben Referenten und Dozenten von amerikanischen Universitäten hinterließen u. a. Erich Rutemöller ( DFB-Cheftrainerausbilder und Auswahltrainer), Franz Hoek (Holland; Torhütertrainer), Johan van Geijn, Wim Koevermans und Nico Romeijn (Holland) sowie Mike Dickenson (England) einen hervorragenden Eindruck und erhielten viel Beifall von den aufmerksamen Teilnehmern.
Schwerlich kann hier das gesamte, riesige Themenangebot aufgeführt und behandelt werden. Hervorzuheben ist jedoch auch die Art und Weise des vorgeführten Coachings während der Trainingseinheit. Immer wieder wurde sichtbar, wie sorgfältig, einfühlsam und verständlich die Trainer ihre jeweilige Übungsthematik mit den Jugendlichen überzeugend erarbeiteten. Dabei überraschte sowohl die hohe Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit der ausführenden Mannschaften als auch der angewandte pädagogisch-methodische Weg (Erklärung, Demonstration, Üben, Korrektur, Spielanwendung) der Trainer.
Es war keineswegs nur eine Höflichkeitsfloskel von Erich Rutemöller, als er sich vom zahlreichen Publikum verabschiedete und dabei zum Ausdruck brachte, „niemals vor einem aufmerksameren, disziplinierteren Trainerkreis und mit solch einsatzwilligen und hoch motivierten Sportlern gearbeitet zu haben".
Auf einem Bankettmeeting mit ca. 600 Teilnehmern, das mit dem Singen der US-amerikanischen Nationalhymne begann, wurden einige internationale Gäste (Dr. Zdenek; UEFA ; Karlheinz Raviol, UEFT und Heinz Werner, BDFL) mit viel Beifall begrüßt. Darüber hinaus dankte man der abtretenden Präsidentin und der neue Präsident legte sein sein Programm dar. Als ein Höhepunkt des Abends ehrte man fünf Nationalspieler mit Standing Ovations , die 1950 England im Ausscheidungsspiel um die WM-Qualifikation besiegt hatten.
Weiterhin wurden feierlich die „Trainer des Jahres“ aus verschiedenen Bereichen vorgestellt und ausgezeichnet und besonders verdienstvolle Trainer-Oldies in die „Hall of Fame“ aufgenommen. Ein in vielen Belangen gigantischer Trainerkongress endete würdevoll.
 |
|
Beim Bankett (von links): Heinz Werner (BDFL) mit den Herren Raviol (Generalsekretär der UEFT - Union Europäischer Fußball-Trainer) und Dr. Zdenek (UEFA) |
Fazit: Wie vielerorts in der Welt, bemüht sich auch der amerikanische Trainerverband NSCAA, seinen Mitgliedern ein umfassendes und qualifiziertes Rüstzeug für die Ausbildungsarbeit zu vermitteln. Dabei werden neben den nationalen auch internationale Referenten berücksichtigt, die neue Trends und Trainingsbeispiele aus ihren Ländern demonstrieren. Der betriebene Aufwand für die Trainerfortbildung ist groß und unterstreicht, welch beachtenswerte Bedeutung dieser Aufgabe in den USA beigemessen wird!
Heinz Werner, im Januar 2004
Service:
- Link zur NSCAA (US-Trainerverband / Webseiten in Englisch)
- Link zum BDFL (Bund Deutscher Fußball-Lehrer)
Übrigens grüßte Herr Werner mit einer an den BFV gerichteten Karte alle Berliner Fußball-Freunde. Diese Karte kann man sich hier ansehen.
Text und Bilder von Heinz Werner, bearbeitet und online gestellt am 25. Jan. 2004 / 23.30 Uhr von Frank Schlüter. Letzte Änderung: Frank Schlüter / 5. Januar 2004 / 11.20 Uhr
|