125 Jahre BFV

Am 11. September 1897 wurde der Verband Deutscher Ballspielvereine (VDB) als erster Vorgänger des heutigen Berliner Fußball-Verbands gegründet. Im Jahr 2022 feiert der Verband, der heute 187.134 Mitglieder in 371 Vereinen zählt, sein 125-jähriges Bestehen. Der BFV nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um sich mit der Geschichte des Fußballs in Berlin auseinanderzusetzen und auf die Zukunft vorauszublicken.

Auf dieser Seite werden nach und nach alle Informationen zur Geschichte und zu den Feierlichkeiten rund um den 11. September 2022 zusammengetragen.

Artikelserie: Die Geschichte des Berliner Fußballs

Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des BFV im Jahr 2022 blicken Daniel Küchenmeister und Thomas Schneider vom Verein Sport:Kultur e.V. in einer Artikelserie auf die bewegte Geschichte des Berliner Fußballs zurück. Dazu erscheinen in regelmäßigen Abständen Texte zu vielfältigen historischen Themen.

Folgende Artikel sind bereits erschienen:

Berlin im Pokalfieber - Rückblick auf die Pokalhistorie der Hauptstadt

Der Landespokal vor und in der NS-Zeit

Kaum hatten die Fußballbegeisterten Berlins am Ende des 19. Jahrhunderts Vereine und einen Verband gegründet, reichte ihnen der erst wenige Jahre zuvor begonnene regelmäßige Spielbetrieb um die Meisterschaft nicht mehr aus. So stiftete die „Neue Sportwoche“ 1903 einen Preis und das noch heute grassierende Pokalfieber nahm seinen Anfang. Der bereits 1897 entstandene Verband Berliner Ballspielvereine – Vorläufer des heutigen Berliner Fußball-Verbandes – spielte ab 1907 drei Jahre lang den ersten regulären Pokalwettbewerb aus, der vom damaligen BFC Viktoria 1889 klar dominiert wurde.

In der Zeit der Weimarer Republik entwickelte sich der Fußball zu einem Massensport. Der Berliner Pokal, der ab 1920 ausgespielt wurde und bei dem auch Brandenburger Mannschaften antraten, war fortan ein Publikumsmagnet. Dieser Wettbewerb endete jedoch 1934, da auch der Fußball-Verband als dessen Ausrichter im Zuge der Gleichschaltung des Sports in der NS-Diktatur de facto aufgelöst war. Der erfolgreichste Verein jener Periode war Hertha BSC, der zu Beginn der 1930er Jahre die wohl beste deutsche Clubmannschaft stellte.

Fußball auf beiden Seiten der Mauer

In den Nachkriegsjahren wurde ab 1946 an die Pokaltradition angeknüpft. Die Trophäe nannte sich nun „Pokal des amerikanischen Drahtfunks“ – kurz RIAS-Pokal. Mit dem beginnenden Kalten Krieg spalteten sich nicht nur Berlin und ganz Deutschland, sondern auch die Sportsysteme. Der Gesamtberliner Spielbetrieb im Fußball kam zum Erliegen.

Ab 1950 spielten die West-Berliner Mannschaften des VBB den Karl-Heinz-Schulz-Pokal aus, der ab 1970 nach Paul Rusch umbenannt wurde. Hervorzuheben sind hier die regelmäßigen Siege des SC Tasmania 1900 in den frühen 1960er Jahren. Im Deutschen Fußball-Verband der DDR trafen die Ostberliner Mannschaften im FDGB-Bezirkspokal aufeinander. In die Siegerliste trugen sich seit 1957 Betriebssportgemeinschaften (BSG) wie Bergmann-Borsig, KWO Berlin, oder Lichtenberg 47 ein.

Die deutsche Einheit 1990 und insbesondere die Vereinigung zu einem gemeinsamen Fußball-Verband in Berlin führten die Teams aus dem Ost- und Westteil der Stadt ab 1991 wieder zusammen. Gleich der erste Sieger des Gesamtberliner Wettbewerbs sorgte für eine Sensation. Die Amateure von Hertha BSC gelangten im anschließenden Wettbewerb des DFB-Pokals völlig überraschend ins Finale im Olympiastadion. Hier unterlagen die „Hertha-Bubis“ Bayer 04 Leverkusen nur knapp mit 0:1.

Der DFB-Pokal – Berlin als große Bühne

Dass das Endspiel des DFB-Pokals überhaupt alljährlich in Berlin stattfindet und allmählich zum „Deutschen Wembley“ avancierte, ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sondern wie so vieles im Sport den politischen Umständen im 20. Jahrhundert geschuldet.

Als sich im Zuge des Kalten Krieges die deutsche Teilung zu verfestigen und auch der Sonderstatus West-Berlins auf Dauer festzustehen schien, gab es bei Politikern und Sportfunktionären die Sorge, dass die Stadt sportlich mehr und mehr ins Hintertreffen zu geraten drohte. Mitte der 1980er Jahre hatten die Bemühungen von BFV-Präsident Uwe Hammer, der sich zusammen mit Bildungssenatorin Hanna-Renate Laurien vehement dafür eingesetzt hatte, schließlich Erfolg: Das DFB-Pokal-Endspiel wurde ab 1985 nach Berlin vergeben. Zudem fand zwischen 1985 und 2009 auch das Finale im DFB-Pokalwettbewerb der Frauen unmittelbar vor dem Endspiel der Männer im Berliner Olympiastadion statt.

Pokalfieber im Kiez

Doch nicht nur die große Bühne des DFB-Pokals begeistert die Fußball-Anhänger. Auch die Pokal-Wettbewerbe in den Berliner Kiezen mit traditionsreichen Derbys finden regen Zuspruch. Der älteste von ihnen ist der „Exer-Pokal“ in Pankow. Seit 1951 ausgetragen erinnert er an einen jener Orte, die für den Beginn des Fußballs in der Stadt stehen – nämlich den ehemaligen Exerzierplatz an der Schönhauser Allee, auf dem sich heute der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark befindet – und damit an eine Zeit, als das Pokalfieber in Berlin seinen Anfang nahm.

„VAR Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin e.V.“

Gründung durch die Pioniere

Am 26. Februar 1926 versammelten sich im Kreuzberger Lokal „Weißer Mohr“ zahlreiche Herren um die Fünfzig. Es schien, dass sich hier Kaufleute, Betreiber örtlicher Betriebe oder Handwerksmeister zu einem geselligen Abend trafen. Doch es waren die Pioniere des Berliner Fußballs, die in den Jahren zwischen 1880 und 1914 den Ball in der Stadt und zum Teil sogar in Deutschland ins Rollen und auf das Feld brachten. Eingeladen hatte Emil Wernicke, der bei Germania 1888, dem ältesten deutschen Fußballverein, den Spielbetrieb organisierte. Georg Leux war gekommen, der 1885 den BFC Frankfurt als ersten Fußballverein in der Stadt gegründet hatte. Und auch Georg Demmler nahm Platz, auf den in erheblichem Maße die Initiative zur Gründung des DFB zurückging. In einer Zeit, als der Fußball in Deutschland und insbesondere der Metropole Berlin zunehmend die Massen begeisterte, schufen jene Rasensportler einen Verein zur Bewahrung der Geschichte und des Zusammenhalts, auf den die heute noch rührige „VAR Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin e.V.“ zurückgeht.

Die Vereinigung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wie alle Sportorganisationen von den Alliierten verboten. Zwar tagten die „Alten“ bereits am 12. Oktober 1946 wieder im NNW-Kasino, wiederum auf Betreiben von Emil Wernicke, doch erst 1950 konstituierte sich die VAR erneut. Ihre Mitglieder kamen aus allen Bezirken der Stadt, unabhängig auf welche Seite der Kalte Krieg und die doppelte Staatsgründung sie 1949 verschlagen hatte. Erst der Mauerbau im August 1961 trennte die Sportkameraden für drei Jahrzehnte. Etwa ein Zehntel von ihnen lebte damals im Osten Berlins und konnte bis 1989 nicht mehr aktiv am Vereinsleben teilnehmen.

Bis heute einzigartige Gemeinschaft

Die Deutsche Wiedervereinigung 1990 stellte auch für die „Alten Rasensportler“ einen Glücksfall dar. Berliner Fußballtradition konnte nun wieder gemeinsam gelebt werden. Doch die Teilung über dreißig Jahre blieb nicht ohne Folgen. Da die Rahmenbedingungen des Sports und das persönliche Erleben unterschiedlich waren, finden heute mehr Sportkameraden aus dem Westen den Weg in die Traditionsgemeinschaft, die kontinuierlich nur in diesem Teil der Stadt existieren konnte.

Mit den Generationen ändern sich Formen der Erinnerung und Erwartungen an Traditionsvereine des Fußballs. Übereinstimmend ist jedoch seit Beginn des Sports das Bedürfnis nach Rückbesinnung, Bewahrung der Leistungen und geselligem Beisammensein. Die „VAR Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin e.V.“, als außerordentliches Mitglied des vor fast 125 Jahren gegründeten Berliner Fußball-Verbandes und einzige Gemeinschaft dieser Art unter dem Dach des DFB, setzt in diesem Sinne die Idee des Zusammenhalts der Wegbereiter des Berliner Fußballs aus dem Jahre 1926 noch immer erfolgreich um.

Frauenfußball von den Anfängen bis heute

Erste Teamgründungen noch vor Aufhebung des Frauenfußballverbots

Als die Berliner Mauer die Stadt bereits seit acht Jahren teilte, begann die moderne Geschichte des Frauenfußballs in beiden Teilen der Stadt. 1969 wurden in West-Berlin die ersten Mannschaften gegründet und Mädchen- und Frauenabteilungen gebildet. Bei Tennis Borussia, dem 1. FC Lübars, Wacker 04 und Schwarz-Weiß Spandau kam der Ball ins Rollen. Da der DFB sein Verbot des Frauenfußballs erst ein Jahr später aufhob, kickten die Frauen anfangs illegal. Doch nicht nur Sportfunktionäre standen dem Fußball der Frauen ablehnend gegenüber. Auch die Bezirksämter als Träger vieler Sportstätten mussten trickreich ausgespielt werden, indem das Training gelegentlich als Handballspiel angemeldet wurde.

Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erhielten in den Anfangsjahren die Frauen von Tennis Borussia. Sie trainierte der ehemalige Profispieler Horst Nußbaum, damals populär als Schlagersänger und Musikproduzent Jack White.

Entscheidender für die Entwicklung des Frauenfußballs war jedoch, dass zu Beginn der 1970er-Jahre die Zahl der Mannschaften rasch anstieg und einen regulären Spielbetrieb ermöglichte. Die erste offizielle Stadtmeisterschaft im Westen des geteilten Berlins holte 1972 Schwarz-Weiß Spandau und den ersten Pokalwettbewerb gewann 1974 der BFC Meteor 06.

Zu einer herausragenden Persönlichkeit des Frauenfußballs im Westen der Stadt wuchs Barbara „Charly“ Streuffert von Tennis Borussia. Sie absolvierte im November 1970 im Mommsenstadion ihr erstes Spiel. Als Aktive gewann sie in der Verbandsliga vier Mal den Titel des Berliner Meisters. Steuffert, die als Sachbearbeiterin im Jugendamt Reinickendorf arbeitete, machte als erste Berlinerin ihre B- und A-Lizenz und übernahm zunehmend Verantwortung, bis ihr schließlich das Traineramt übertragen wurde. Auch als Coach von TeBe wurde sie zwei Mal Berliner Meister. 1981 und 1983 schaffte es die Mannschaft ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, in denen sie jeweils der SSG 09 Bergisch Gladbach mit 0:4 und 0:6 unterlag. 1990/91 führte Streuffert die TeBe-Frauen in die damals zweigleisige Frauen-Bundesliga.

Parallele Entwicklung in Ost-Berlin

In Ost-Berlin vollzog sich die Entwicklung des Frauenfußballs weitgehend zeitgleich. In der Berliner Zeitung wurde im April 1971 mitgeteilt, dass bei der BSG EAB Lichtenberg 47 „eine Damen-Fußballmannschaft … ins Leben gerufen“ wurde, die noch „Spielpartner sucht“. Der Fußball-Verband der DDR zeigte sich insgesamt zögerlich und ließ ab September 1971 nur im Rahmen einer Volkssportrunde die Begegnungen austragen. Leistungsträger der kommenden Jahre waren in Ost-Berlin neben den Lichterberger Frauen die Teams von Motor Köpenick und Kabelwerk Oberspree, die die Meisterschaften dominierten.

In den 1980er-Jahren zeichneten sich in Ost-Berlin Spielerinnen wie Maja Bogs und Kathrin Nicklas aus, die einen leistungsorientierten Fußball anstrebten. Nicklas wurde dann auch für das erste und einzige Länderspiel einer DDR-Frauenauswahl im Mai 1990 berufen.

Nach dem Fall der Mauer und der Deutschen Einheit konnte der Berliner Frauenfußball endlich zusammenwachsen. Der Berliner Fußball-Verband und die Vereine standen vor einer bisher einmaligen Situation, die sie erfolgreich meisterten. So gelang in den Jahren ab 1990 dank der engagierten Arbeit der Aktiven eine sportliche und organisatorische Weiterentwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs in Berlin. Der Blick auf die Anfänge vor etwa fünf Jahrzehnten zeigt jedoch, dass weder organisierter Frauenfußball noch ein Gesamtberliner Spielbetrieb zu allen Zeiten eine Selbstverständlichkeit waren.

Der Berliner Fußball und die Wiedervereinigung

Der Weg zur Fußball-Einheit in Berlin

Nur eine Woche nach jener historischen Nacht im November 1989, als in Berlin die Mauer fiel, die 28 Jahre lang Ost und West getrennt hatte, kam es zu einem ersten Treffen zwischen dem damaligen Präsidenten des Berliner Fußball-Verbandes, Uwe Hammer, und seinem Ost-Berliner Pendant, dem Vorsitzenden des Bezirks-Fachausschusses Fußball, Uwe Piontek.

Bereits Ende November rief Hammer alle West-Berliner Vereine zu Freundschaftsspielen mit Ost-Berliner und DDR-Vereinen auf und sorgte so dafür, dass sich die Sportlerinnen und Sportler aus beiden Teilen der Stadt begegneten, was zum Zusammenwachsen von Ost und West wesentlich betrug.

Den handelnden Akteuren war von Beginn an deutlich, dass auf dem Gebiet Berlins nur ein gemeinsamer Weg beschritten werden könne. Auch zu einer Zeit, als auf staatlicher Ebene die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten noch keineswegs feststand, war für den Fußball in Berlin klar, dass nach 28 Jahren der Teilung und nach 40 Jahren eines getrennten Spielbetriebs beide Stadthälften wieder zusammengehörten.

Eingliederungsprozess bis November 1990

Bald zeichnete sich ab, dass sich der Ost-Berliner Bezirksfachausschusses Fußball umorganisieren musste, und so wurde am 22. Juni 1990 der Fußball-Verband Berlin (FVB) gegründet. Dieser hatte nur kurze Zeit Bestand und im Grunde die alleinige Bestimmung, bei der geplanten Zusammenschließung als Gegenüber des West-Berliner Fußball-Verbandes zu fungieren.

Bis dahin waren vielerlei Aufgaben zu bewältigen. Zunächst befand sich die Geschäftsstelle des FVB noch am Hausvogteiplatz, zog dann aber in der zweiten Juli-Hälfte in das Gebäude der Werner-Seelenbinder-Halle um. Der West-Berliner Fußball-Verband half mit Möbeln und Büroausstattung aus und stand auch sonst mit Rat und Tat zur Seite.

Das Ziel war schließlich, die Strukturen des Ost-Berliner Fußballs anzupassen und die Vereine fit zu machen für die Eingliederung in den bestehenden Spielbetrieb des BFV. Gemeinsam wurden die vielfältigen, oft verwaltungstechnischen Aufgaben und juristischen Fragestellungen – im Vereinsrecht, im Steuerecht u.v.a.m. – bewältigt. Die Geschäftsstelle wurde zu diesem Zweck noch bis Mitte 1991 betrieben.

Am 17. November 1990 – also noch vor der Vereinigung der Fußball-Verbände auf Bundesebene, die am 20. November 1990 in Leipzig stattfand – war es so weit: Der FVB beschloss seine Auflösung und die Ost-Berliner Vereine traten auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Hotel Intercontinental geschlossen dem Berliner Fußball-Verband bei.

Ein denkwürdiges Spiel

Nur wenige Wochen vor jener Herstellung der Fußball-Einheit in Berlin war es am 21. Oktober 1990 im Hans-Zoschke-Stadion in Lichtenberg zu einem denkwürdigen Spiel gekommen: Im damals noch ausgetragenen DFB-Länderpokal trafen die Amateur-Auswahlmannschaften des Fußball-Verbandes Berlin (Ost) und des Berliner Fußball-Verbandes (West) aufeinander.

Der Ost-Berliner FVB, der nur wenige Monate existierte und der eigens zu dem Zweck gegründet worden war, mit dem West-Berliner Verband vereinigt zu werden, und der BFV lieferten sich zum ersten und für alle Zeiten letzten Mal ein sportliches Duell. Außerhalb des grünen Rasens war man einander längst freundschaftlich verbunden.

Integration als Aufgabe

Engagement für Fairplay und Toleranz historisch gewachsen

Mit dem Thema seiner gesellschaftlichen Verantwortung und dem eigenen sozialen Engagement beschäftigt sich der Berliner Fußball-Verband bereits seit Jahrzehnten. Er sieht Integration als wichtige Aufgabe an und setzt sich mit vielfältigen Aktionen und Maßnahmen für Fairplay und Toleranz ein.

In den 1980er-Jahren wuchs in beiden Teilen Deutschlands die Gewalt in den Stadien und am Rande des Fußballs erheblich. Im Zuge der Deutschen Einheit verstärkte sich dieses Phänomen insbesondere im Ostteil Berlins und in den neuen Bundesländern. Hinzu kamen gesellschaftliche Probleme, die sich aus dem Vereinigungsprozess in vielen Bereichen des Alltags ergaben.

Der BFV reagierte auf diese Entwicklungen. Der damalige Präsident Otto Höhne formulierte Anfang der 1990er-Jahre, dass „an der Basis ... die Probleme Gewalt, Ausländerfeindlichkeit, Jugendkriminalität, soziale Nöte zur Alltagsbewältigung unserer Vereine“ gehören. Programmatisch sprach er bei gleicher Gelegenheit davon, dass für den Verband die Würde des Menschen unantastbar ist. In den folgenden Jahren entwickelten sich Initiativen, auf denen der Verband in seinem aktuellen Selbstverständnis und seiner Arbeit aufbaut.

Gründung der AG Fairplay in den 1990er-Jahren

Mitte der 1990er-Jahre entstanden in Vereinen aus allen Teilen der Stadt verschiedene Initiativen gegen Gewalt auf und am Rande von Fußballplätzen, die der BFV aufnahm und in der vom langjährigen Vizepräsidenten Gerd Liesegang geleiteten AG Fairplay bündelte. Die aktive Zurückweisung von Gewalt, Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus wurde in den Vereinen nun zu einem Prüfstein und gleichzeitig zu einer verbindenden Klammer, unabhängig von Herkunft und kultureller Identität.

Der BFV vereint in seinen Reihen viele, vor allem junge Sportler:innen mit Migrationshintergrund, für die der Fußball besondere Bedeutung hat, da sie in anderen Bereichen der Gesellschaft noch immer zu oft soziale oder kulturelle Zurückweisung erleben. In seiner Satzung hat der Verband die Themen Migration und Integration fest verankert. 2004 wurde Mehmet Matur von Türkiyemspor Berlin als Präsidiumsmitglied gewählt und mit der Leitung der AG Integration beauftragt. Diese Arbeitsgruppe leistete und initiierte die verschiedensten Aktivitäten.

2008 veranstaltete der Verband den ersten „BFV-Präventionstag“, eine Mischung aus Sport, Aktivitäten und Unterhaltung. Den Vereinen gab das Meeting die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, um sich über die Aspekte der Gewaltprävention zu informieren.

FUSSBALL GRENZENLOS – Unterstützung für Geflüchtete

Als 2015 in Deutschland die Zahl der geflüchteten Menschen aus Kriegsgebieten sprunghaft anstieg, bezog der BFV klare Positionen und unterstützte die Integration auf vielfältige Weise. Hervorzuheben ist das Willkommensprojekt FUSSBALL GRENZENLOS, dass seit 2016 erfolgreich den Austausch zwischen Vereinen, sozialen Projekten und Unterkünften für Geflüchtete fördert. 

Im Frühjahr 2022 sah sich die Berliner Fußball-Familie erneut damit konfrontiert, dass viele geflüchtete Menschen in die Stadt kamen. Ohne zu zögern, rief der BFV dazu auf, Geflüchtete aus der Ukraine und aus anderen Ländern im Trainingsbetrieb der Fußballvereine aufzunehmen (weitere Infos). Er wirbt für diese Aktion in dem Bewusstsein, dass Vereinssport Menschen einen hervorragenden Raum für Integration bietet und einen großen Beitrag bei der Stabilisierung des sozialen Umfelds leistet.

Mit dieser und vielen anderen Aktivitäten leistete der BFV einen gesellschaftlichen Beitrag, der weit über den Fußball hinaus ging und das tolerante Miteinander in der Stadt positiv beeinflusste. Selbstverständlich kann der Sport nicht einzelne, schon gar nicht alle gesellschaftlich relevanten Fragen lösen, erst recht nicht im Alleingang. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch, dass der BFV im Verlaufe der letzten drei Jahrzehnte konsequent seine Rolle erweitert definiert und sich neben der Hauptarbeit – dem Sport an sich - zunehmend auch gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufgaben stellt und einen wichtigen Beitrag auf dem Gebiet der Integration leistet.

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