Am Mittwoch, den 15. April 2026 fand das BFV-U19-Halbfinale des Nike-Youth-Cups statt. Das Spiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC gilt schon immer als besonderes Stadtderby. Nicht nur deshalb entschied man kurzerhand, dass das Wochentagspiel in das Stadion an der Alten Försterei verlegt wird. Unsere JLKler Jason Harth, Ruby Harder und Hassan Said leiteten das Spiel und wurden vom Team Öffentlichkeitsarbeit des SR-Ausschusses begleitet.
Vor über 5000 Zuschauenden zeigte unser SR-Team eine souveräne Leistung, was auch im Anschluss vom anwesenden BFV-Präsidialmitglied Jugend, Frank Schröder, bestätigt wurde.
Das Team stand nach dem Spiel noch für Fragen zur Verfügung:
Jason, dir wurde diese besondere Spielleitung auf dem JLK-Osterlehrgang bekanntgegeben. Wie hast du diese Ansetzung zum Stadtderby aufgenommen?
Jason: Ich habe mich natürlich total gefreut, dass mir die JLK-Leitung solch ein wichtiges Spiel anvertraut. Zu Beginn war es auch noch gar nicht im Stadion angesetzt. Eine Woche vor dem Spiel kam dann plötzlich die Änderung ins Stadion, aber da habe ich mir noch gar nicht viel bei gedacht und vermutete eher einen Fehler. Als ich dann auf Instagram die Werbung von Union gesehen habe, war mir klar, dass das doch alles seine Richtigkeit hat und mich dann noch mehr gefreut.
Wie hast du dich heute auf das Spiel vorbereitet?
Jason: Grundsätzlich habe ich mich nicht anders vorbereitet als sonst. Mein Tag ging heute um 8Uhr los und ich habe sogar noch meine Abi-Klausur in Politik geschrieben. Wir haben uns heute als SR-Team zwei Stunden vor Spielbeginn am Stadion getroffen - das ist eher als sonst, aber alle anderen Vorbereitungen liefen wie immer. Ich bin auch kein Freund von Musik vor dem Anpfiff, sondern will lieber 15-20 Minuten vor dem Anstoß nochmal runterfahren und mag es lieber ruhig.
Warst du heute besonders nervös oder angespannt?
Jason: Eine Grundnervösität hat man vor jedem Spiel - das ist auch gut so, da man so nicht jedes Spiel “auf die leichte Schulter” nimmt. Heute ging es aber etwas eher los. Als ich um 16Uhr zu Hause ankam, merkte ich die Anspannung. Zum Anpfiff aber fiel dann alles ab, so dass ich mich auch wieder voll auf das Spiel konzentriert habe.
Das Spiel fand heute vor etwa 5000 Zuschauenden statt - hattest du irgendwann mal “Gänsehaut”?
Jason: Definitiv! Als wir unten im Spielertunnel standen und zum Spielfeld gingen, bekam ich eine ordentliche Gänsehaut. Man läuft schließlich nicht häufig unter lauten, eisernen Gesängen auf.
Das Spiel fand heute unter Flutlicht statt. Nicht immer läuft das so einwandfrei wie heute. Merkst du selber, dass Spielleitungen unter Flutlicht auch andere Anforderung an dich als Schiedsrichter stellen?
Jason: Klar bringen Spiele unter Flutlicht auch noch ein gewisses anderes „Feeling“ mit sich, für die Spieler als auch für uns fühlt es sich automatisch anders und meiner Meinung nach auch besser an. Jedoch finde ich, dass es insgesamt keine größeren bzw. anderen Anforderungen an mich stellt.
Ruby, vor einiger Zeit warst du noch selber erfolgreich als Spielerin unterwegs. Wie war das Gefühl, heute als Schiedsrichterassistentin im Stadion aufzulaufen?
Ruby: Das war echt krass heute. Zwar habe ich selber gespielt, aber mehr als 300 Zuschauende wie z.B. in einem DFB-Pokalspiel kamen nie. Wir als Gespann hatten vorher auch getippt, wie viele heute kommen würden. Hassan schätzte etwa 1000 Fans, ich rechnete schon mit etwas mehr und tippte auf 3500. Aber vor über 5000 Zuschauenden im Stadion ein Spiel zu leiten, ist natürlich unfassbar!
Wann hast du das alles realisiert, dass das heute eine riesige Kulisse sein wird?
Ruby: Das kam wirklich sehr überraschend. Beim Aufwärmen waren beim Blick auf die Tribüne noch gar nicht so viele Fans vor Ort. Jedoch als wir dann zum Spielbeginn den Rasen betraten, war plötzlich alles voll - auch die Gästezone versuchte die Waldseite zu übertönen. Das war ein tolles Gefühl, hier gleich loslegen zu dürfen.
Und, hattest du auch einen Gänsehautmoment gehabt?
Ruby: Ja - beim ersten Tor und dem Jubel der Unioner war die Atmosphäre wirklich elektrisch!
Merkst du selber, dass Spielleitungen unter Flutlicht auch andere Anforderung an dich als Schiedsrichterin stellen?
Ruby: Manchmal, wenn das Flutlicht unzureichend ist, kann es auf jeden Fall alles schwerer machen - wenn sich überall Schatten werfen, kann es einen schon durcheinanderbringen. Aber hier im Stadion, wo alles voll ausgeleuchtet ist, habe ich keinen großen Unterschied gemerkt.
Vor einiger Zeit hast du eine mutige Entscheidung getroffen und dich dafür entschieden, als Spielerin aufzuhören und mehr Fokus auf die Schiedsrichterei zu legen. War das eine schwierige Entscheidung?
Ruby: Ich habe seit ich fünf bin aktiv Fußball gespielt. Fußball ist meine Liebe. Fußball ist meine Leidenschaft. Letzten Endes fiel mir die Entscheidung für das Schiedsrichtern jedoch nicht so schwer. Das Leben als Profi-Spielerin war nicht mein Traum und eine Balance mit der Schule und dem Schiedsrichtern war schwierig zu finden. Dann haben sich die Verletzungen gehäuft und so habe ich mich dann fürs Schiedsrichtern entschieden. Da schaue ich jetzt, wie weit ich komme und greife erstmal nach den Sternen. So ein Spiel wie heute motiviert mich natürlich nochmal enorm.
Hassan, du bist seit 2023 erst Schiedsrichter und seit September 2024 im Junioren-Leistungskader (JLK). Hättest du selber gedacht, dass du jetzt schon ein Spiel vor 5000 Zuschauenden im Stadion von Union als Assistent leiten darfst?
Hassan: Tatsächlich hätte ich es niemals gedacht, dass ich so früh schon so ein Spiel miterleben darf. Umso mehr habe ich mich natürlich über die Ansetzung das Vertrauen der JLK-Leitung gefreut, heute hier im Stadion dabei zu sein.
Der JLK ist eine zeitintensive Fördermaßnahme, aber auch ein Sprungbrett für höhere Ligen. Wie schaffst du es, nebenbei noch dein Privatleben (Schule usw.) gut zu organisieren?
Hassan: Natürlich ist der JLK sehr zeitintensiv, aber wenn man Etwas erreichen möchte, dann muss man sich auch anstrengen. Ich habe genug Zeit für mein Privatleben, weil ich gerne Schiedsrichter bin und vor allem auch im JLK. Wenn man bedenkt, wie gut ich im JLK bis hierhin gefördert wurde, fühlt es sich an als ob ich nicht wirklich viel Zeit hinein investiert habe. Und am Ende nimmt die Leitung immer Rücksicht auf Schule und Arbeit.
In der zweiten Halbzeit standest du für einige Minuten im Fokus, als du gleich drei Mal auf Abseits der Unioner entschieden hast. Was war das für ein Gefühl, als plötzlich tausende Fans dich ausgebuht haben?
Hassan: Als ich die Reaktion der Fans gehört habe, habe ich irgendwie erst verstanden, wo ich gerade stehe (im Stadion an der Alten Försterei). Dann habe ich mich auch wieder gefreut und musste auch kurz schmunzeln. Es war schon eine echt tolle Stimmung.
Wie stehst du zu dem Thema Flutlichtspiele? Merkst du hier andere Anforderungen an dich als Schiedsrichter?
Hassan: Ich finde es nicht schwerer, auch wenn wir abends mit Flutlicht spielen. Es ist sogar so, dass ich mich mit Flutlicht besser konzentrieren kann und ich mag es mehr Spiele abends zu haben, weil ich mich danach ausruhen kann und nicht noch den ganzen Tag vor mir habe und dann müde bin.
Vielen Dank euch für das Interview!