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Ehrenamtsgewinnung und -bindung: Innovative Ideen aus den Berliner Vereinen

Am 23. Januar 2026 hat der Berliner Fußball-Verband im Rahmen des TEAM BERLIN-Auftaktdialogs auf dem EUREF-Campus Berlin den Innovationspreis des Berliner Fußballs 2025 verliehen und damit das Engagement seiner Mitgliedsvereine in den Mittelpunkt gestellt. Den geteilten ersten Platz belegten drei Vereine, die mit kreativen Ideen neue Wege in der Ehrenamtsgewinnung und -bindung gehen: Askania Coepenick, Polar Pinguin und Berolina Mitte.

Neue Rollenverteilung: „Micro Volunteering“ von Askania Coepenick

Askania Coepenick erhielt den Innovationspreis für das Konzept „Micro Volunteering“, das Ehrenamtsstrukturen durch klar definierte, zeitlich begrenzte Rollen neu gestaltet und Überlastungen systematisch vermeidet. „Mission 2030 ist aus der Erkenntnis erwachsen, dass selbst gut gemeintes Ehrenamt unter unpassenden Strukturen ungesund werden kann“, erläutert Max Büttner, 1. Vorsitzender des Vereins. Das Reorganisationsprojekt sei ein Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen. So legte zum Beispiel ein Vorstandsmitglied abrupt alle Aufgaben nieder, nicht aus fehlender Motivation, sondern aufgrund persönlicher Überforderung.

Durch feste Rollen mit überschaubaren Zeitbudgets entsteht im Vereinsalltag mehr Qualität und Verlässlichkeit: Aufgaben werden kleinteilig verteilt, Prozesse planbarer und neue Ehrenamtliche erhalten Sicherheit durch ein Koordinator*innensystem mit strukturierter Einarbeitung, Micro-Schulungen und 1:1-Begleitung. Thomas Dietrich (Projektkoordinator) betont die Unterstützung junger Engagierter, die so ohne „Learning by Chaos“ einsteigen und feste Ansprechpartner*innen haben.

Das skalierbare Modell macht Engagement attraktiv, indem es fragt: „Was kannst du konkret?“ Statt „mach alles“ bietet es klare Angebote, und liefert somit Potenzial für die gesamte Berliner Fußballlandschaft. „Ehrenamt gewinnt man nicht mit bloßen Bitten, sondern mit klaren Angeboten“, betont Büttner.

Wissen und Ressourcen teilen: „Engagement Assists“ von Polar Pinguin 

„Viele Menschen möchten sich einbringen, schrecken aber vor langfristigen Verpflichtungen zurück“, beobachtet Safa Semsary, Vorstandsmitglied bei Polar Pinguin mit den Schwerpunkten Antidiskriminierung, Nachhaltigkeit und strukturelle Vereinsentwicklung. Der in Tempelhof ansässige Verein hat rund 350 Mitglieder und probiert seit vielen Jahren unterschiedliche Formate und Ansätze, wie Engagement bei Polar gestärkt werden kann. Das Konzept „Engagement Assists“, das mit dem diesjährigen Innovationspreis des Berliner Fußballs ausgezeichnet wurde, steht für die Idee, den Zugang zu Wissen und Engagement gezielt vorzubereiten und dann auch außerhalb des eigenen Vereins zu teilen: niedrigschwellig, teamorientiert und mit klaren Rollen.

„Wir teilen einige unserer Formate, die zeitlich überschaubar sind, konkrete Aufgaben bieten und gleichzeitig echte Teilhabe ermöglichen – zum Beispiel Mikro-Engagements an Spieltagen, projektbezogene Mitarbeit oder klar umrissene Verantwortungsbereiche“, erklärt Semsary. „Ziel ist es, mehr Menschen den ersten Schritt ins Ehrenamt zu erleichtern. ‚Engagement Assists‘ ist kein Theorieprojekt, sondern aus unserem Vereinsalltag entstanden und für andere Vereine geöffnet.“

Polar Pinguin betrachtet die eigenen Herausforderungen in Bezug auf die Themen Ehrenamtsgewinnung und -bindung nicht isoliert, sondern als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Kooperationen zwischen Vereinen spielen dabei eine Schlüsselrolle, Konkurrenzdenken tritt an dieser Stelle in den Hintergrund. „Fairer sportlicher Wettbewerb gehört auf den Platz. Die großen Herausforderungen im Amateurfußball, etwa Ehrenamtsgewinnung, Diskriminierungsschutz oder nachhaltige Vereinsentwicklung, lassen sich nicht isoliert lösen“, betont Semsary. “Wenn Vereine ihr Wissen und Ressourcen teilen und gemeinsam anpacken, werden alle stärker. Niemand muss jede Lösung neu erfinden – und genau darin liegt enormes Potenzial für den Berliner Fußball.“

Neben ihrem Engagement für Polar Pinguin ist Safa Semsary auch als Projektleitung Ready. Set. Coach. für den BFV tätig. Eine wichtige Rolle des Verbandes sieht sie darin, Wissenstransfer und Austausch zwischen den Vereinen zu fördern: „Gerade beim Thema Engagement lohnt es sich, erfolgreiche Modelle schnell teilbar zu machen. Hilfreich wären noch stärker zugängliche Austauschformate zwischen Vereinen, mehr Plattformen für Wissenstransfer und weiterhin Impulse, die Vereine in ihrer Entwicklung begleiten. Der TEAM BERLIN-Auftaktdialog war ein schöner erster Schritt in diese Richtung.“

Seit April 2023 wurden 58 Interviews veröffentlicht. Nach einer Babypause der zuständigen Person soll es bald wieder weitergehen. Den ersten Platz beim Innovationspreis des Berliner Fußballs sieht Häußler als eine Bestätigung der guten Arbeit und Anreiz für die Fortführung: „So ein Preis ist eine enorme Wertschätzung für die ehrenamtliche Arbeit. Das motiviert, weiter an dem Format dranzubleiben, und erleichtert es, weitere Personen zu finden, die dabei helfen“.

Dem Ehrenamt eine Plattform geben: „Im Portrait“ von Berolina Mitte

Der SV Blau Weiss Berolina Mitte wurde für seine Idee „Im Portrait“ ausgezeichnet. In dem Format stellt der Verein verschiedene Personengruppen aus den eigenen Reihen vor, um sein Ehrenamt sichtbar zu machen sowie die Ehrenamtlichen an den Verein zu binden und neue interessierte, engagierte Menschen zu gewinnen. Der Club aus dem Herzen Berlins reagierte mit der Einführung des Formats auf die Entwicklung des Themas Ehrenamt, wie Tilmann Häußler, 2. Vorsitzender von Berolina Mitte, erläutert: „Früher gab es weniger ehrenamtliche Strukturen und mehr Menschen. Heute ist das andersherum. Wer Ehrenamtliche braucht, muss auch etwas bieten. Die geben einem schließlich das wertvollste Gut der Welt: Lebenszeit“.

Anfangs als schriftliche Interviewreihe auf der Vereinshomepage angelegt, entwickelte sich „Im Portrait“ bald in erster Linie zu einem Social-Media-Format in Videoform, um vornehmlich junge Menschen anzusprechen und eine nachhaltige Ehrenamtsgewinnung zu erreichen. „Wenn man im Konzert der Kanäle nicht mitspielt, findet man außerhalb des Fußballplatzes nicht statt bei der vornehmlich jüngeren Zielgruppe“, umschreibt Tilmann Häußler treffend den Stellenwert von Social Media in der heutigen Zeit und formuliert zudem, wie man die sozialen Netzwerke als Sportverein für sich nutzen und die hohen Nutzungszeiten bei Kindern und Jugendlichen gleichzeitig einschränken kann: „Um Nachwuchs zu finden, muss man da hingehen, wo der Nachwuchs sich aufhält. Der Social Media-Konsum unter Jugendlichen ist mit meist mehreren Stunden täglich bedenklich hoch. In dieser Welt musst du aber stattfinden, wenn du sie da raus holen willst“.

Zum Format “Im Porträt” auf YouTube

Herausfoderungen meistern: Alle Einreichungen im Überblick

Die innovativen Ansätze aller Preisträger*innen zeigen, wie Berliner Vereine Herausforderungen im Ehrenamt kreativ meistern. Der BFV lädt seine Mitgliedsvereine ein, sich von diesen Ideen inspirieren zu lassen und im nächsten Jahr mit ihrer eigenen Idee teilzunehmen.  

Alle Ideeneinreichungen 2025 im Überblick

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