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„Stillstand ist Rückschritt“

Nach 35 Jahren hauptamtlicher Tätigkeit für den Berliner Fußball-Verband verabschiedete sich Kathrin Nicklas im Frühjahr 2025 in den wohlverdienten Ruhestand - wenn auch nur in Teilzeit, denn so ganz ohne Fußball geht es dann doch nicht! Im Interview sprachen wir mit unserer Mitarbeiterin Events & Gesellschaftliche Verantwortung über ihre unerschöpfliche Leidenschaft für das runde Leder sowie die Entwicklung des Frauenfußballs, den sie unter anderem als Spielerin der DDR-Nationalmannschaft, Trainerin des 1. FC Union Berlin und auf Reisen mit dem deutschen Nationalteam prägte.

 

Hallo Nicki, du bist seit 1990 für den BFV tätig und vor kurzem in die Teilzeit-Rente gegangen, das heißt 35 Jahre Tätigkeit für denselben Arbeitgeber. Warum war an Aufhören für dich nie zu denken?

Zwei meiner Stärken sind mein Pflichtbewusstsein und meine Zuverlässigkeit - Eigenschaften, die auch im Sport sehr wichtig sind. Ich habe mit sechs Jahren mit dem aktiven Sport in der Leichtathletik angefangen und dort diese Eigenschaften schon früh gelernt. Der Sport spielte also in meinem privaten Leben frühzeitig eine Rolle. Bald war das dann auch beruflich so, als ich zehn Jahre lang beim Deutschen Fecht-Verband der DDR gearbeitet habe. Der Sport hat mich immer begleitet und war und ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben, und wenn man Hobby und Beruf miteinander verknüpfen kann, ist es doch eine „Win-Win Situation“. Jetzt lebt es sich wesentlich entspannter, obwohl es mir viele Leute, einschließlich mir selbst, nicht zugetraut hätten, dass ich das Pensum so schnell heruntergefahren kriege.

1990 standst du als Spielerin beim einzigen Länderspiel des DDR-Frauen-Nationalteams gegen die ČSFR in Potsdam im Aufgebot. Du hast einmal gesagt, es beeindruckt dich, wie groß heute noch das Interesse an diesem Thema ist. Was meinst du, fasziniert die Menschen an dieser Geschichte?

Ich war tatsächlich erst Ende April wieder beeindruckt, als ich bei der Premiere von „Mädchen können kein Fußball spielen“ war und diesen tollen Film von Torsten Körner gesehen habe, dazu das Wiedersehen mit den Protagonistinnen, die vor Ort waren, und zu denen ich seit unserer gemeinsamen Zeit einen regen Kontakt pflege. Die Faszination an dem Thema ist sicherlich auch der Zeit geschuldet: Wendezeit 1990 und die DDR, die eigentlich nicht mehr existierte und dann dieses einzige Länderspiel noch auf die Beine stellte. Ich kann nur bestätigen, was die beteiligten Spielerinnen Doreen Meyer und Heidi Vater in diesem Film zum Ausdruck bringen: wir waren stolz, dabei gewesen zu sein, sowohl in der Vorbereitung bei den Lehrgängen als natürlich auch beim Spiel in Babelsberg.

 

Als Auswahltrainerin hast du einige zukünftige Profis trainiert und warst mit Berlins Talenten in den USA unterwegs. Welche Erfahrungen hast du in dieser Zeit gesammelt und was hat es dir andersherum bedeutet, Erfahrungen an die jungen Spielerinnen weitergeben zu können?

Ich wollte den jungen Spielerinnen immer wieder mit auf den Weg geben, dass ich mir für sie wünsche, dass sie die gleichen tollen Erfahrungen erleben, wie ich sie durch den Sport erfahren habe. An die Reise in die USA mit unserer damaligen U15-Mädchenauswahl erinnere ich mich bis heute gern zurück. Ailien Poese, heute Trainerin der Bundesliga-Frauen von Union Berlin, war damals noch als Spielerin dabei. Allein an ihr kann man sehen, welche Entwicklung Spielerinnen nehmen können, wenn sie – neben einem gewissen Talent – Willen und Einsatz zeigen und ihren Weg gehen.

Die Frauen des 1. FC Union Berlin hast du zu einer Zeit trainiert, als Frauenfußball in Deutschland einer Randerscheinung glich. Heute spielt der Verein, wie viele weitere Clubs, professionell in der Bundesliga vor steigenden fünfstelligen Zuschauendenzahlen. Der weibliche Fußball boomt seit Jahren. Wie nimmst du diese Entwicklungen wahr?

Der 1. FC Union war eine sportliche Heimat für mich und der Verein hat bei mir natürlich immer noch einen hohen Stellenwert. Mit großem Interesse habe ich die letzte Saison der Union-Frauen verfolgt und war am letzten Spieltag, als es noch um die Meisterschale ging, selbst vor Ort. Die Verantwortlichen hatten den Mut und den Willen, den Weg in die Professionalisierung zu gehen und bisher gibt ihnen der Erfolg Recht. Ob bei Union oder vielen anderen heutigen Profi-Clubs sollte man jedoch nicht vergessen, dass viele Spielerinnen und Trainer:innen im damaligen Frauen- und Mädchenfußball mit ihrer Leidenschaft und ihrem Engagement den Grundstein für den heutigen Erfolg gelegt haben, als die Bedingungen noch ganz andere waren. Wenn ich allein an die vorhin angesprochene Doku zurückdenke und den Drang der Spielerinnen, niemals aufzugeben, dann gebührt diesen Menschen die höchste Anerkennung!

 

Nicht nur der weibliche Fußball, sondern das Fußballgeschäft im Ganzen hat sich mit der Zeit sehr entwickelt, was z.B. viele Abläufe und technische Neuerungen angeht. Worauf kommt es deiner Ansicht nach an, um all diese Entwicklungen mitgehen und so zeitgemäß arbeiten zu können, wie du es getan hast?

In den 35 Jahren BFV habe ich viele Entwicklungen mitgemacht, angefangen von der Schreibmaschine zum PC, die bei mir - und dies sei ehrlich angemerkt - nicht immer einen Spaßfaktor hervorriefen. Ich weiß noch genau, wie wir damals plötzlich diese neuen Teile auf den Schreibtisch gestellt bekamen und dann hatte man keine andere Wahl, als eben einfach loszulegen. Letztlich waren es die Liebe zum Fußball und die Aufgaben, die in meiner Verantwortung lagen und mir Freude bereiteten, sich damit auseinanderzusetzen. Und wie in vielen Lebenslagen galt hier immer für mich: Stillstand ist Rückschritt!

Was würdest du rückblickend als die schönsten Momente deiner Laufbahn oder wen als die spannendsten Personen, die du treffen durftest, bezeichnen?

Da gibt es unzählig viele, die den Rahmen sprengen würden. Herauszuheben wären die schon erwähnte Reise mit den U15-Juniorinnen 1999 in die USA und meine Reise nach Cleveland 2010 mit der Frauen-Nationalmannschaft als Delegationsleiterin im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im DFB-Ausschuss Frauen- und Mädchenfußball. Damals war ich super aufgeregt und am Ende hat mir Birgit Prinz als Dank sogar ihre Erinnerungs-Medaille geschenkt! Die Frauen-WM 2011 in Deutschland mit dem Eröffnungsspiel in Berlin als Betreuerin der Ballmädchen zählt ohne Frage genauso zu meinen Höhepunkten. Außerdem durfte ich im Rahmen einer Dankeschön-Veranstaltung des DFB-Ehrenamtspreises in Hamburg den unvergesslichen Uwe Seeler treffen. Dazu kommen viele weitere herausragende Menschen, die ich durch meine Tätigkeit kennenlernen durfte und mit denen Freundschaften entstanden sind.

 

Und was möchtest du den Menschen im Fußball gerne für die Zukunft mit an die Hand geben?

Habt Spaß an allem, was ihr anpackt, aber mit der richtigen Einstellung. Vielleicht gehören auch ein bisschen Demut und Dankbarkeit dazu, dass man das, was einem Spaß macht, beruflich ausüben darf.

 

Danke für das schöne Interview, Nicki!

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