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100 Jahre VAR: „Die Menschlichkeit macht uns aus“

Detlef Carus ist 1. Vorsitzender der VAR Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin e. V.. Die VAR ist außerordentliches Mitglied des Berliner Fußball-Verbands und feiert am 26. Februar 2026 ihr 100-jähriges Bestehen. Als „Vereinigung alter Rasensportler“ gegründet, bietet der Verein seinen Mitgliedern vor allem eines: eine Gemeinschaft. Im Interview mit dem BFV erklärt Detlef Carus, was die VAR ausmacht, welche Momente ihm persönlich in Erinnerung bleiben und wie er auf die Entwicklung des Berliner Fußballs blickt. 

Herr Carus, am 26. Februar 1926 wurde die „Vereinigung Alter Rasensportler", die heutige VAR Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin e. V., gegründet. Wie blicken Sie als 1. Vorsitzender des Vereins auf das hundertjährige Jubiläum? 

Wenn man sich die Zahl so ansieht, 100 Jahre, dann macht mich das als Vorsitzenden natürlich stolz. In den letzten Jahren haben wir großartige Arbeit geleistet. Es macht mich besonders stolz, dass wir jetzt in eine Festveranstaltung im Rathaus Schöneberg gehen, zu der wir 140 Personen eingeladen haben. Das werden wir gut über die Bühne bringen, um es dann am darauffolgenden Tag bei unserem Festball im Hotel Steglitz International nochmal richtig krachen zu lassen. Da sind wir dann über 220 Leute. Das macht mich schon stolz, dass wir über die VAR so viele Menschen zusammenbringen. 

Wie sind Sie zur VAR gekommen? 

Ich bin 1992 durch das Ehepaar Wiese zur VAR gekommen. Damals hatte ich mir eine Auszeit von meiner Tätigkeit beim 1. FC Neukölln genommen, habe dann aber gemerkt, dass ich nicht ohne Ehrenamt sein kann. Dann bin ich eingetreten und bin 2001 Schatzmeister geworden. In Absprache mit dem langjährigen Vorsitzenden Harri Wuttke habe ich 2009 das Amt des 1. Vorsitzenden übernommen. 

Was macht die VAR in Ihren Worten aus? 

Die Menschlichkeit. Wir kümmern uns um die Menschen, die in ihren ursprünglichen Vereinen keinen Anschluss mehr haben, zum Beispiel aus Altersgründen. Wir kümmern uns um diejenigen, die noch Interesse an einer Gemeinschaft haben. Wir helfen damit Menschen aus der Einsamkeit. Die große Herausforderung ist, auch die Leute zu besuchen, die nicht mehr zu uns kommen können. Das machen wir zum Beispiel im Rahmen unserer großen „Weihnachtstelleraktion“. So haben wir im letzten Jahr 41 Personen besucht mit einem bunten „Weihnachtsteller“ – das ist immer eine große Freude. Und unsere Arbeit hat Erfolg, wenn man sich anguckt, dass unsere Veranstaltungen alle bestens besucht sind und unsere Mitgliederzahl stetig wächst. Mittlerweile sind wir 533 Personen. 

Welche Momente bleiben Ihnen aus Ihrer VAR-Zeit besonders in Erinnerung? 

Der 100. Geburtstag von „Lu“ Pfannenschmidt fällt mir da zum Beispiel ein, der im Rotter-Haus in Lichterfelde gefeiert wurde. Wenn man gesehen und gehört hat, wie eine Hundertjährige eine Dankesrede ohne Punkt und Komma und ohne Fehl und Tadel hält, dann ist das doch wunderbar. Sie hat auch zugesagt, zu unserem Festakt zu kommen, was mich ganz besonders freut. Sie ist unser ältestes Mitglied und wird in Kürze 103 Jahre alt. In Erinnerung bleiben aber natürlich auch traurige Momente, wie die Gedenkfeiern für verstorbene Mitglieder, die es ja leider immer wieder gibt. Generell freue ich mich über die jüngere Entwicklung der VAR: Wir haben viele Veranstaltungen erlebt und den Verein zukunftssicher aufgestellt. Wir haben eine wunderbar funktionierende Homepage, die unser Redaktionsleiter, Fernando Baisón Prieto, aktualisiert. Er ist auch dafür verantwortlich, unsere alle zwei Monate erscheinende Zeitung, die VAR-Nachrichten, zu erstellen. Wir haben uns in der Außenwirkung dermaßen verbessert, dass wir anerkannt sind. Ob in der Politik oder in Fußballkreisen, es weiß in der Zwischenzeit jeder, was die Traditionsgemeinschaft des Fußballs ist.

Wie betrachten Sie die Entwicklung, die der Berliner Fußball und der BFV in den vergangenen Jahren genommen haben? 

Aus meiner Sicht sollte sich der Berliner Fußball-Verband mehr um Fußball kümmern. Der Sport steht im Vordergrund und die Menschen stehen im Vordergrund, die den Sport betreiben. Bei aller Entwicklung, aber wir müssen nicht auf jeden Zug aufspringen. Sehen Sie mal, der Wegfall der Fußball-Woche hat dem Berliner Amateurfußball den Garaus gemacht. Er hat keine Stimme mehr. Das macht mich fürchterlich traurig. Ich drücke den Leuten, die versuchen, die Fußball-Woche aufrechtzuerhalten, nun alle Daumen, dass es klappt und der Berliner Amateurfußball wieder eine Stimme kriegt. Der Berliner Fußball-Verband soll sie nicht übernehmen, das kann er nicht. Er kann mit den Geldern der Vereine keine Zeitung unterstützen, das ist völlig klar. Aber er sollte mithelfen, dass es die Zeitung wieder gibt, dass wir wieder eine Stimme kriegen. 

Danke für das Gespräch, Herr Carus!

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