Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Seit vielen Jahren greift die Fußballfamilie dieses Datum auf, um der verfolgten, deportierten und ermordeten Menschen in der NS-Zeit zu gedenken.
/ Gesellschaftliche Verantwortung
22. Erinnerungstag im deutschen Fußball: Sport ist politisch
Der Mythos des unpolitischen Sportes
Vereinzelte behaupten heute, Sport, und explizit der Fußball, haben „nichts mit Politik zu tun“. Diese Erzählung blendet aus, wie tief die damaligen Sportstrukturen in das NS-System verstrickt waren.
Die nationalsozialistische Diktatur nutzte den Sport systematisch für ihre politischen Ziele. Großereignisse wie die Olympischen Spiele in Deutschland wurden zur Propaganda- Bühne, auf der das Regime Stärke und vermeintliche Einheit inszenierte, während gleichzeitig Gegner*innen verfolgt, verhaftet und zum Schweigen gebracht wurden.
Fußball in der NS-Zeit als Propagandainstrument
Auch vor der Berliner Fußballlandschaft machte die Gleichschaltung der Nazis keinen Halt. Abweichende Meinungen und Lebensweisen sollten verdrängt oder gar ausgelöscht werden: Jüdische, kirchliche oder Arbeiter-Sportvereine wurden verboten oder zwangsweise gleichgeschaltet, kritische Stimmen mundtot gemacht. Viele Fußballvereine schlossen jüdische Mitglieder aus oder drängten sie dazu, selbst auszutreten. In Berlin zeigt das Beispiel Tennis Borussia eindrücklich den systematischen Ausschluss jüdischen Lebens aus dem Sport. So wurde bei einer kurzfristig einberufenen Mitgliederversammlung des Clubs am 11. April 1933 das Ausscheiden aller Vorstandsmitglieder mit jüdischer Konfession beschlossen. Gleichzeitig erklärte der größte Teil der Mitgliedschaft seinen “Vereinsaustritt” (vgl. Eine Stütze des Systems? Der Berliner Fußball im Nationalsozialismus).
Erst spät begannen Vereine und Verbände, ihre eigene Rolle in der NS-Zeit kritisch zu untersuchen. So veröffentlichte der BFV im letzten Jahr die Studie „Eine Stütze des Systems? Der Berliner Fußball im Nationalsozialismus“, und steht somit als erster Landesverband, der seine Rolle in der NS-Zeit in dieser Form beleuchtet.
Heute: Demokratie verteidigen
Antidemokratische Gruppen nutzen den Fußball bis heute, um ihre menschenfeindlichen Parolen zu verbreiten. Stadien und Sportplätze werden zu Orten der Konfrontation, an welchen es einmal mehr wichtig ist, klare Haltung zu zeigen.
Die Initiative „!NieWieder“ ruft dazu auf, den Erinnerungstag im deutschen Fußball als Anlass zu nutzen, um Diskriminierungen jeglicher Art aktiv zu bekämpfen und den Opfern der NS-Zeit zu gedenken.
Informationen zu Veranstaltungen rund um den 22. Erinnerungstag sind auf der Seite von berlin-gegen-nazis.de zu finden: Veranstaltungen am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Wir erinnern uns, damit sich das Vergangene nie wieder wiederholt.
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