Mit dem Ordentlichen Verbandstag am 22. November 2025 hat die neue Wahlperiode im Berliner Fußball-Verband begonnen. Der zentrale Fokus der kommenden vier Jahre wird auf der Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen, insbesondere von Frauen* und jungen Menschen, liegen. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit zwischen dem BFV und seinen Mitgliedsvereinen enger werden. Diese Ziele werden den Kern der Team Berlin Strategie 2026-2029 bilden, deren Implementierung von den stimmberechtigten Delegierten des BFV-Verbandstags mehrheitlich beschlossen wurde (siehe Initiativantrag Nr. 1). Sie folgt als Nachfolgestruktur auf das umfassende Reformprojekt Future BFV, das die zurückliegende Wahlperiode inhaltlich prägte und nun abgeschlossen ist (siehe Abschlussbericht Future BFV).
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Konstruktive Debatten: Der BFV-Verbandstag im Rückblick
"Wenn die soziale Infrastruktur wegbräche, würde es sehr kalt werden"
Die Stärkung des Ehrenamts ist nicht nur im Berliner Fußball als elementares Zukunftsthema ausgemacht worden. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, deren Bedeutung sich auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) überaus bewusst ist. „Der Amateurfußball ist einer der zentralen Bestandteile unserer neuen strategischen Ausrichtung im DFB. Wir wollen den Masterplan stärken“, betonte DFB-Präsident Bernd Neuendorf in seinem Grußwort auf dem Verbandstag des BFV. „Beim Thema Infrastruktur reden wir oft von Brücken und Straßen – das mag auch wichtig sein. Wir haben aber auch eine soziale Infrastruktur in Deutschland und davon ist das Ehrenamt der maßgebliche Bestandteil. Wenn diese Infrastruktur wegbräche, würde es sehr kalt werden in unserem Land.“
Neben Bernd Neuendorf gehörten auch Ronny Zimmermann (1. DFB-Vizepräsident Amateure/Regional- und Landesverbände), Thomas Härtel (Präsident Landessportbund Berlin), Hermann Winkler (NOFV-Präsident und DFB-Vizepräsident für Jugendfußball), Till Dahlitz (NOFV-Geschäftsführer) und Jens Kaden (Präsident Fußball-Landesverband Brandenburg) zu den Ehrengästen, die der Einladung des BFV in die Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Schöneberg gefolgt waren.
"Sportanlagen beim Bau von Schulen und Kitas mitdenken"
Thomas Härtel sprach in seinem Grußwort ebenfalls über die „soziale Infrastruktur“ des Berliner Vereinswesens, benannte aber auch die eklatanten baulichen Herausforderungen in der Hauptstadt klar: „Wir haben Wartelisten in den Vereinen, Kinder die nicht aufgenommen werden können. Gerade hinsichtlich der ungedeckten Sportstätten haben wir ein infrastrukturelles Problem in Berlin. Deshalb lautet unsere Aufforderung an die Politik: Wir müssen Sportanlagen bei der Planung neuer Quartiere und beim Bau von Schulen und Kitas mitdenken.“
Härtel warb für die Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“, die eine Berliner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele unterstützt und in diesem Zuge fünf Ziele für den Sport benennt. Darin ist die Schaffung eines Fonds für den Breitensport, insbesondere die personelle und infrastrukturelle Förderung, verankert. Der Berliner Fußball-Verband unterstützt die Initiative und ruft seine Mitglieder auf, sich an der Unterschriftensammlung zu beteiligen.
Lobende Worte fand der LSB-Präsident zudem für die kürzlich erschienene wissenschaftliche Studie des BFV zur Aufarbeitung seiner NS-Vergangenheit: „Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung ist es umso wichtiger, ein Zeichen gegen antidemokratische Strömungen zu setzen.“
Ehrungen für außerordentliche Verdienste
Bevor die Vertreter*innen der Berliner Fußballvereine über die Anträge zum BFV-Verbandstag abstimmten und somit die inhaltliche Debatte eröffneten, stand die Ehrung der jüngst verstorbenen Mitglieder der Berliner Fußballfamilie (siehe Nachrufe) sowie besonders engagierter Ehrenamtlicher auf der Tagesordnung.
Folgende Personen erhielten auf dem Ordentlichen Verbandstag eine Auszeichnung für ihr außerordentliches Engagement um den Berliner Fußball:
- Ehrenplakette des LSB: Michaela Walczak
- Ehrenschild des BFV: Uwe Brummer, Lisa Marie Großer
- BFV-Ehrennadel in Gold: Edmund Will, Peter Heß, Kurt Schmidtkowski, Andreas Ott, Günter Stolinski, Detlef Köhler, Doris Brachmann, Jan Schlüschen-Hesterberg, Alexander Molzahn, Ralph Rose
- Berufung in den BFV-Ältestenrat: Ralph Rose, Hans-Jürgen Watteroth
- BFV-Ehrenmitgliedschaft: Mehmet Matur
Anträge auf Ehrungen verdienter Vereinsmitglieder können jederzeit beim BFV per E-Mail an personal@berlinerfv.de eingereicht werden.
FuWo und Präsidiumsstimmrecht sorgen für erste längere Debatten
In seiner Begrüßungsrede zu Beginn der Veranstaltung hatte BFV-Präsident Bernd Schultz bereits die Wichtigkeit konstruktiver Debatten auf dem Verbandstag hervorgehoben und betont, es ginge darum, in einer fairen und sportkameradschaftlichen Art und Weise Lösungen zu finden. Eine erste derartige Diskussion sollte es schließlich unter Tagesordnungspunkt sieben, „Aussprache zu den Berichten“, geben. Es war Bernd Fiedler (SFC Stern 1900) der die Debatte mit einem Appell anstieß, dass Verband und Vereine die kürzlich eingestellte Fußball-Woche (zum Hintergrund) nicht aufgeben dürften. Jens Maedler (Tennis Borussia Berlin) forderte, dass zumindest das FuWo-Archiv erhalten werden müsse: „Das ist ein Schatz, der da schlummert.“ Gerd Thomas (FC Internationale) rief derweil zum schnellen und gezielten Handeln auf: „Ich halte es für möglich die FuWo zum Leben zu erwecken, aber dann müssen wir das Heft des Handelns jetzt in die Hand nehmen und wir müssen klären, wer die Zuständigkeit übernimmt, bevor wir uns von der FuWo entwöhnt haben.“ Die Einigkeit der Berliner Vereine in dieser Angelegenheit zeigte auch ein Ad-hoc-Meinungsbild, bei dem die Mehrheit der Versammlung die Hand für eine Initiative zur Rettung der FuWo erhob. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Bernd Fiedler hatte sich bereits vor dem Ordentlichen Verbandstag zusammengefunden und wird das Thema weiterverfolgen.
Das Tagungspräsidium, bestehend aus Jürgen Schepers (Tagungspräsident), Dirk Zimmermann (BFV-Vizepräsident Recht) und Kevin Langner (BFV-Geschäftsführer) leitete anschließend durch die Abstimmungen über die Anträge an die Satzung und Ordnungen sowie Initiativ- und Dringlichkeitsanträge (alle Abstimmungsergebnisse in der Übersicht). Bei Antrag Nr. 2 zur Reduzierung des Stimmrechts des BFV-Präsidiums auf dem Verbandstag (Antragsziel: eine gemeinsame Stimme für das gesamte Gremium statt je einer Stimme pro Präsidiumsmitglied) kam es zu ausführlicheren Wortmeldungen. So bemängelte der Antragsteller die Überrepräsentation des Präsidiums im Vergleich zu den Vereinen, die jeweils mit nur einer Stimme bei der BFV-Mitgliederversammlung vertreten sind. Das mache sich insbesondere dann bemerkbar, wenn nur ein geringer Anteil der Vereine am Verbandstag teilnehme. In der Gegenargumentation wurde dieser Punkt aufgegriffen und mit dem Appell verbunden, dass die Teilnahmebereitschaft an den BFV-Mitgliederversammlungen steigen müsse. Antrag Nr. 2 wurde schließlich ebenso abgelehnt wie ein Abänderungsantrag mit dem Ziel, lediglich jedem Mitglied des geschäftsführenden Präsidiums (gfP) eine Stimme zuzuerkennen, nicht aber den weiteren Präsidiumsmitgliedern. Gegen letzteren wurde das Argument vorgetragen, dass eine Beschränkung des Stimmrechts auf das gfP de facto einen Stimmentzug für Ausschussthemen, wie z. B. das Schiedsrichter*innenwesen oder den Frauen- und Mädchenfußball, nach sich zöge.
Trikotnummer 88 und Freigabe von Spielberichten sorgen für Diskussionen
Vielstimmig diskutiert wurden auch jene Anträge an die Satzung (Nr. 3a-e), die eine Umwandlung der bestehenden Regionalkonferenzen zu Bezirkskonferenzen anstrebten. „Die Regionalkonferenzen funktionieren nicht. Aber wir als Vereine sind der Verband und wir müssen uns einbringen. Es muss uns daher gelingen, hier eine Lösung zu finden“, eröffnete Christian Haberecht für die Regionalkonferenz Nord-Ost die Debatte. „Jeder einzelne Bezirk hat ganz andere Voraussetzungen, auch in der Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern, deshalb ist der Antrag zu befürworten“, ergänzte Jürgen Martens für die Regionalkonferenz Süd-Ost, welche die Anträge gemeinsam mit der Regionalkonferenz Nord-Ost eingebracht hatte. Gegenrede kam durch Gerd Thomas für die Regionalkonferenz Süd-West: „Ich plädiere für das Beibehalten der aktuellen Struktur. Ich kann es nicht erklären, warum es an einer Stelle funktioniert und an der anderen nicht.“ Felizitas Schlechta von der Regionalkonferenz Nord-Ost schlug einen Kompromiss aus Regionalkonferenzen, dort wo sie funktionieren und bezirklichen Debatten vor. Dieser Vorschlag fand jedoch ebenso wenig eine Mehrheit wie die eingebrachten Anträge Nr. 3a-e, die von den Delegierten abgelehnt wurden.
Bei den Anträgen an die Ordnungen sorgte das angestrebte Verbot der Trikotnummer 88, die als rechtsextremer Code für die verbotene Grußformel „Heil Hitler“ steht, für längere Diskussionen. Ziel des antragstellenden BFV-Präsidiums war es, ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und für ein diskriminierungskritisches Sportumfeld zu setzen. Der Antrag erreichte jedoch nicht die erforderliche, einfache Mehrheit und wurde durch die Versammlung abgelehnt. Für ebenso viel Gesprächsbedarf sorgten die Anträge Nr. 21-23 an die Spielordnung. Diese befassten sich mit den Regularien zur Freigabe von Spielberichten im DFBnet. In der jüngeren Vergangenheit kam es vermehrt zu Ordnungsstrafen gegen Vereine, weil die festgelegte Frist von 60 Minuten nicht eingehalten wurde bzw. nicht eingehalten werden konnten. Nachdem die Antragsteller ihre Argumente ausgeführt hatten und diese ausführlich diskutiert wurden, einigte sich die Versammlung auf eine Verlängerung der Freigabefrist auf 120 Minuten als beste Lösung. Der entsprechende Antrag Nr. 23 wurde mehrheitlich angenommen und die Anpassung der Spielordnung wird zum 1. Januar 2026 in Kraft treten.
Beitragsreform wird diskutiert, Haushalte genehmigt
Das Thema Strafen und Gebühren fand zu einem späteren Zeitpunkt erneut Einzug in die Debatte auf dem Verbandstag. So wurde die neue Beitragsstruktur und die jüngsten Anpassungen der Strafen und Gebühren kontrovers diskutiert. Die entsprechenden Anträge (Initiativantrag Nr. 3 und Dringlichkeitsantrag Nr. 1), die eine Zurücknahme der durch den außerordentlichen Verbandstag 2024 getroffenen Beschlüsse anstrebten, wurden abgelehnt. Gleichzeitig sprach sich die Versammlung dafür aus, dass sich die weiterhin bestehende Beitragskommission insbesondere noch einmal der Prüfung der Strafen und Gebühren annehmen solle.
Die Jahresabrechnung 2024 sowie der Haushaltsplan 2026 wurden anschließend durch die Delegierten genehmigt. Die Finanzzahlen können hier eingesehen werden: BFV-Finanzberichte
Wahlergebnisse
Weniger Aussprachebedarf als zu den Anträgen gab es anschließend bei den Wahlen des BFV-Präsidiums sowie aller weiterer Gremien. Die durch den Verbandstag gewählten bzw. bestätigten Personalien können hier nachgelesen werden:
Der BFV gratuliert allen Gewählten und dankt allen anwesenden Delegierten sowie den weiteren Gästen für eine konstruktive Veranstaltung!