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„Ein geschlossenes Bild des Berliner Amateurfußballs“

Am Samstag, den 22. November 2025 findet ab 9:30 Uhr der Ordentliche Verbandstag des Berliner Fußball-Verbands in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schöneberg (Hauptstraße 125A, 10827 Berlin) statt (alle Infos).

Im Interview spricht BFV-Präsident Bernd Schultz anlässlich der anstehenden Veranstaltung über die Kandidaturen für das Präsidium, abgeschlossene und neue Ziele des Verbandes und seiner Vereine sowie wichtige Fragen, über die der Verbandstag entscheiden wird:

Herr Schultz, am 22. November steht der Ordentliche BFV-Verbandstag an. Sie werden dort für Ihre siebte Amtszeit als Präsident kandidieren. Wie schwer oder auch wie leicht haben Sie sich die Entscheidung gemacht, erneut zu kandidieren?

Die Entscheidung ist mir in den letzten Monaten zunehmend leichter gefallen, und zwar aufgrund der sehr guten Zusammenarbeit im Präsidium, aber auch mit dem Hauptamt in der Geschäftsstelle und der Sportschule Wannsee. Dazu kommt, dass wir im Präsidium entschieden haben, gemeinsam als Team zu kandidieren, mit Ausnahme von Lisa Marie Großer, die leider aus beruflichen Gründen ausscheidet, und Alexander Molzahn, der auf der Schiedsrichtervollversammlung nicht wiedergewählt wurde. Ihnen gilt genauso mein Dank, wie auch Jan Schlüschen-Hesterberg und Mehmet Matur, die im Laufe der Legislaturperiode ausgeschieden sind und Ralph Rose, dessen Amt als Vizepräsident Future BFV endet. Auf Basis der gewachsenen Teamstruktur ist es mir am Ende sehr leichtgefallen, für die kommenden vier Jahre erneut zu kandidieren, und darauf freue ich mich.

Lange Amtszeiten von Führungspersonen werden nicht nur im BFV des Öfteren kritisch gesehen. Was entgegnen Sie in Ihrem konkreten Fall kritischen Stimmen gegenüber Ihrer langen Amtszeit?

Wenn man sich die Zusammensetzung des Präsidiums allein innerhalb der aktuellen Legislatur anschaut, gab es immer wieder Wechsel und damit auch neue Impulse. Dafür haben neue Leute, wie Özgür Özvatan und Dirk Zimmermann, die kurzfristig ausgeschiedene Kollegen beerbt haben, oder auch Malte Schruth, der beim letzten Verbandstag neu ins Präsidium gewählt wurde, gesorgt. Von daher glaube ich, dass eine einzelne Person dabei nicht die herausragende Rolle spielt. Das Präsidium ist keine Ein-Mann-Veranstaltung, sondern es ist eine Teamleistung. 

Warum ist Kontinuität so wichtig für die Zusammenarbeit des Präsidiums?

Es ist für die einzelnen Tätigkeitsfelder wichtig, dass man Leute hat, die Erfahrung auf ihrem Gebiet haben, die die Kenntnisse haben und Zusammenhänge kennen und die die Wege kennen, sowohl hier in den BFV-Strukturen wie auch in der Zusammenarbeit mit den Behörden im Land Berlin und den anderen Verbänden, wie dem LSB, dem DFB oder dem NOFV. Dieses Netzwerk und auch die guten Kontakte zu den Vereinen, die wir im Präsidium haben, sind wichtig. Daher lege ich auch sehr viel Wert darauf, bei Veränderungen einen klaren Plan zu verfolgen und Erfahrungen weiterzugeben, um sicherzustellen, dass wir stets arbeitsfähig sind. Wir haben vor vier Jahren im Jugendbereich gesehen, wozu dieser plötzliche personelle Wechsel geführt hat. Da mache ich gar keine persönlichen Vorwürfe, sondern verweise schlichtweg auf die Erkenntnis nach einer Wahl, dass die Aufgaben doch sehr umfänglich sind. Da ist es wichtig, dass man Nachfolger*innen auch ein Stückweit einarbeitet und sie darauf vorbereitet, was sie erwartet, wenn sie ein Amt übernehmen. Das ist auch eine Verantwortung, die man in Führungspositionen hat.

Mit dem Verbandstag wird das Reformprojekt „Future BFV“, das den Berliner Fußball-Verband zum innovativsten und professionellsten Landesverband im DFB machen soll, zum Abschluss gebracht. Was sind in Ihren Augen die bedeutendsten Ziele, die in diesem Prozess erreicht wurden?

Zunächst finde ich es gut, dass wir von den Handlungsempfehlungen, die Vereinsvertretende mit erarbeitet haben, inzwischen 87 Prozent umgesetzt haben, und zwar auf vielen verschiedenen Gebieten, wie etwa der Gesellschaftlichen Verantwortung, und auch dass wir uns das Thema der Gremienzusammensetzungen weiterhin vorgenommen haben, wohlwissend, dass das insbesondere, was den Frauenanteil anbelangt, nach wie vor kein Selbstläufer ist. Aber ich glaube, wir haben innerhalb des Verbandes zum Beispiel mit dem neuen Markenauftritt und der TEAM BERLIN APP sowie letztendlich auch der Idee, die neue Nachfolgestrategie aufzubauen, wesentliche und wichtige Ziele erreicht. Dazu gehört auch, den Frauen- und Mädchenfußball stärker in den Fokus zu rücken. Das passt parallel zu den erfreulichen Entwicklungen auf Vereinsebene, die wir gerade in der Stadt erleben. Da werden wir mit dem DFB-Assist-Projekt, das wir mit dem Deutschen Fußball-Bund gemeinsam entwickelt haben, auch in den nächsten Jahren noch wichtige Impulse setzen, gerade was die Entwicklung im Bereich des Mädchenfußballs anbelangt. Gleichzeitig bleiben wir uns den Herausforderungen, die wir etwa mit Sportplätzen und mit Übungsleitungen dieser Stadt haben, bewusst. Es gibt viele wichtige Dinge, die wir erreicht haben und die wir auch in der Zukunft noch anzugehen haben.

Die Ergebnisse von „Future BFV“ sollen nach dem Verbandstag in die neue Folgestruktur „Team Berlin Strategie 2026-2029“ überführt werden. Was sollen die Kernziele dieser neuen Strategie sein und wie werden die Vereine davon profitieren? 

Die Strategie wird sich auf zwei Säulen aufbauen. Einmal wollen wir weiterhin die Verbandsentwicklung vorantreiben. Dazu gehört unter anderem auch das Ziel, die wirtschaftlichen Verhältnisse des BFV zu stabilisieren. Aber wir wollen vor allem auch die Vereinsentwicklung stärker in den Blickpunkt nehmen. Dabei geht es insbesondere um das Thema Ehrenamt: Wie können wir die Leute stärken? Wie können wir Erleichterungen für das Ehrenamt schaffen? Wie können wir das Ehrenamt attraktiver machen? Auch eine Anerkennungskultur zu entwickeln, ist eine wichtige Herausforderung. Darüber hinaus wird es darum gehen, die Vereine insgesamt über mehr Beratung zu stärken. Da haben wir die Vereinsberater im Einsatz, die mit Ideen in die Vereine gehen, und wir haben den Masterplan des DFB, der auch den Vereinen hilft, weil er sie für ihre Arbeit belohnt. Das sind Ansätze, die uns dabei helfen können, die Vereine noch wesentlich zu stärken. Wir beobachten, dass die Vereine darüber klagen, nicht genügend Ehrenamtliche zu haben. Es gibt dort einen Personalmangel. Hier muss man schauen, wie man das Ganze attraktiver gestalten kann. Wie kann man den Amateurfußball attraktiver machen, so dass wir alle Freude daran haben und keinen Frust erleben? Das betrifft unsere Schiedsrichter*innen, das betrifft Trainer*innen, Mannschaftsbetreuer*innen und Vereinsvorstände. Wir alle müssen in diesem TEAM BERLIN zu einer Einheit werden und die Werte, die wir gemeinsam verinnerlicht haben, auch am Wochenende auf den Plätzen umsetzen.

Was wünschen Sie sich für die Veranstaltung am kommenden Samstag?

Ich erhoffe mir sehr, dass wir konstruktive Diskussionen erleben werden. Wir haben eine überschaubare Anzahl von Anträgen vorzuliegen im Gegensatz zu früheren Jahren, wo es wesentlich umfangreicher war. Aber es gibt dennoch wichtige Fragen zu diskutieren, bei denen die Vereine sich positionieren müssen. Es geht einmal darum, wie die Vereine miteinander kommunizieren und wie sie es mit uns als Verband tun - Stichwort Regionalkonferenzen: Haben sie sich bewährt? Wie stehen die Vereine dazu? Wie sehen Sie die Zukunft dieser Regionalkonferenzen? Des Weiteren gibt es Bestrebungen, die Staffeleinteilungen gerade im Ü-Bereich stärker zu regionalisieren, damit man insbesondere bei Spielen in der Woche weite Fahrwege verhindert mit der Konsequenz, dass die Gegner in jeder neuen Saison nahezu gleich bleiben. Von daher wird dieses Thema „Regionale Ansetzung“ eines sein, wo die Vereine sich festlegen müssen und uns auch vorgeben, wie sie den Spieltrieb gerne organisiert haben wollen. Außerdem wünsche ich mir natürlich für die nächste Amtszeit auch ein entsprechendes Votum seitens der Vereine, sowohl für meine Wahl, aber auch für die Wahl der übrigen Präsidiumsmitglieder, so dass wir nach dem Verbandstag mit der Kontinuität weiterarbeiten können, wie sie sich jetzt darstellt, inklusive Hannah Bachhoffer, die wir für die Kandidatur zur Position Junge Generation U30 neu gewinnen konnten. Mein Team und ich gehen optimistisch in den Verbandstag und ich hoffe, dass wir an bewährter Stelle in Schöneberg eine weitestgehend harmonische Veranstaltung erleben werden. Das wird kritische Fragen nicht ausschließen und soll es auch nicht ausschließen, aber dass wir nach außen auch ein geschlossenes Bild des Berliner Amateurfußballs abgeben, das ist mein Wunsch für Samstag.

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