/ Gesellschaftliche Verantwortung

Mit Fußball in eine bessere Zukunft

Einmal eine Trainingseinheit mit einem waschechten Weltmeister oder einer Weltmeisterin absolvieren – für die Insassinnen der Justizvollzugsanstalt für Frauen Berlin wurde dieser Traum in der vergangenen Woche Realität. Gemeinsam mit Vertreter*innen der DFB-Stiftung Sepp Herberger und des Berliner Fußball-Verbandes besuchte die ehemalige deutsche Nationalspielerin Ariane Hingst die Anstalt in Lichtenberg und erhielt gemeinsam mit der Delegation einen interessanten Einblick in das Leben hinter Gefängnismauern. 

Fußball als Schlüssel zur Resozialisierung 

Bereits seit vielen Jahren besuchen gemeinsam mit der DFB-Stiftung Sepp Herberger regelmäßig Persönlichkeiten des Sports deutsche Haftanstalten. Daraus entstand 2008 die Initiative „Anstoß für ein neues Leben“, die im Bereich des Jugendstrafvollzugs gemeinsam mit Partnern aus dem Justizbereich, der Bundesagentur für Arbeit sowie den DFB-Landesverbänden ein Netzwerk gebildet hat. So soll mit den Jugendstraftäterinnen und -straftätern während der Inhaftierung eine Perspektive für die Zeit nach der Haft erarbeitet werden. 

Aktuell in der Entstehung befindet sich ein neues Resozialisierungsprojekt für Frauen aus dem Erwachsenen- und Jugendvollzug. Das Projekt soll unter anderem Sportangebote, Gesundheits- und Präventionsworkshops sowie soziale Unterstützungsmöglichkeiten schaffen. Zudem soll es Berührungspunkte zwischen den Bewohnerinnen der Haftanstalten und prominenten Fußball-Persönlichkeiten geben. 

Weltmeisterlicher Glanz hinter Gefängnismauern 

Als „Vorgeschmack“ auf das angestrebte Resozialisierungsprojekt besuchte am 30. April 2026 die mehrfache Fußballweltmeisterin Ariane Hingst die JVA in Lichtenberg. Eingeleitet wurde der Nachmittag von einer Führung durch die Haftanstalt, in welcher die Delegation, der unter anderem Tobias Wrzesinski, Geschäftsführer DFB-Stiftung Sepp Herberger, Nico Kempf, stellvertretender Geschäftsführer, Leonore Merck, Referentin für politische Beziehungen beim DFB, und BFV-Ehrenmitglied Gerd Liesegang angehörten, spannende Einblicke in den Anstaltsalltag vermittelt bekam. Vollzugsleiter Kai Abraham und Sandra Rodrigues Silva, Leiterin der JVA-Abteilung Soziales, hielten viele interessante Informationen parat und waren für alle Fragen offen. 

Als es hinunter in den Pausenhof der Anstalt ging, warteten die Fußballerinnen der JVA bereits voller Vorfreude auf ihren Höhepunkt des Tages: Das Training mit Ariane Hingst. Nach einer Trikot-Übergabe durch die Stiftungsgeschäftsführung sowie Christine Lambrecht, Kuratoriumsmitglied der Sepp-Herberger-Stiftung, konnte das muntere Treiben auf dem Bolzplatz beginnen. Die jungen Inhaftierten waren mit großem Spaß bei der Sache und ließen sich wichtige Grundlagen vermitteln. Klappte mal etwas nicht, gab es direkt motivierende Worte der mehrfachen Welt- und Europameisterin, so dass die Freude am Kicken bei bestem Fußballwetter nie nachließ. Unterstützung bei der Trainingseinheit gab es durch die Sportbeamtin Vivien Hofmann sowie durch Kathrin Nicklas, die als hauptamtliche BFV-Mitarbeiterin vor Ort war und ihre Expertise als einstige DDR-Nationalspielerin auf dem Platz mit einbrachte. 

Abgeschlossen wurde der spannende Nachmittag durch eine Gesprächsrunde aller Beteiligten, in der bei Getränken und Gebäck Erfahrungen, Geschichten und Ziele ausgetauscht wurde. Sportlich möchten die Spielerinnen der JVA eine Teilnahme am Sepp-Herberger-Pokal anstreben, in welchem sich jährlich Anstaltsteams aus ganz Deutschland gegenüberstehen. Für die Zeit nach der Haft soll eine bessere Zukunft mit Schulabschluss und Ausbildung auf dem Programm stehen, für die bereits während des JVA-Aufenthalts die Grundlagen geschaffen werden. Hierfür gab es von Ariane Hingst sowie der gesamten Delegation nur die besten Wünsche, verbunden mit einem beiderseitigen Dank für den offenen Austausch und spannenden Tag.

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